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Sexuelle Abweichungen

Abweichungen und "unanständige Beziehungen" - keine Liebe, aber heftige Emotionen?

Beitrag eines Zeitzeugen (gegen Ende der 1970-er Jahre:

Als ich recht jung war, befand sich in meinem erweiterten Bekanntenkreis eine junge Frau, die „ausschließlich Spezialbehandlungen“ von ihren Partnern erwartete. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine öffentlich bekannten Spielwiesen, auf denen ganz offiziell das ausgeübt wurde, was heute „BDSM heißt. Ganz offensichtlich war sie begeistert davon, und sie schwärmte, dass sie auf diese Weise keine feste Beziehung benötigte. Im Nachhinein und aus der Rekonstruktion ergab sich, dass sie eines der ersten „Einhörner“ war – also eine Frau, die sich mit Paaren traf, um sexuelle Spiele mit ihnen zu genießen.

Dreier zwischen wohlhabenden Ehepaaren und speziell dazu angeheuerten Dritten waren damals (1970-er Jahre) eine Art frivoles Gesellschaftsspiel. Wenn es aufflog, gab es viel Ärger – aber damals hielten die Fassaden bürgerlicher Wohlanständigkeit“ noch stand. Heute kennt man es als „Cuckolding“.

Abweichung und GrenzĂĽberschreitungen

Tatsächlich ging es damals bereits darum, die üblichen Grenzen des sinnlich-sexuellen Genusses zu überschreiten. Sie bestanden im Wesentlichen darin, die Grenzen der Heterosexualität zu sprengen, Sex mit mehreren Personen zu haben und sinnliche oder schmerzhafte Rollenspiele auszuführen. Je nach Zeitgeist gehörte dazu auch der Partnertausch, die als Orgien organisierte Party oder die Swinger-Szene. Was genau jeweils als „unanständig“ galt, bestimmte zumeist die Gesellschaft durch „ungeschriebene Gesetze“.

Diese wurden recht unterschiedlich beurteilt. Sowohl Psychiatrie wie auch Psychologie sagen darin „Abweichungen von der Norm“ und nannten sie „geschlechtliche Perversionen“ oder „normwidriges Verhalten“. Während für Sadismus, Masochismus und Fetischismus noch 1957 – 1975 der Begriff „Perversionen“ genutzt wurde, standen die Begriffe “Homosexualität“ und „vorehelicher Geschlechtsverkehr“ für Normabweichungen. Heute sagt man „paraphile Störungen“ – die Begriffe „Perversion“ oder „Normabweichung“ verschwinden nach und nach völlig. Das Lexikon der Psychologie (Dorsch/Hogrefe) weiß dazu:

Im 19. Jahrhundert für falsches oder schädliches Sexualverhalten, heute umgangssprachlicher Begriff, der in seiner abwertenden Konnotation nicht haltbar ist, da es kein «richtiges» Sexualverhalten gibt.

Was übrig bleibt, sind sogenannte „paraphile Störungen“, also Verhaltensweisen, die vom Einzelmenschen oder der Gesellschaft als „klärungsbedürftig“ angesehen werden. Eine Übersicht bietet die Webseite MSD-Manuals.



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